Impressionen des Tages
18. März 2008
· Gespeichert unter Blogmarie im Alltag, Querulieren im Netz, Schnitzer im Diskurs · Tagged Übersetzung, belauscht, Müdigkeit, zappenduster
- Eine Perle aus der Kategorie “Irrelevante Relativsätze”, heute an der Aldi-Kasse belauscht: “Sie haben doch Uhren im Angebot, wo sind die denn? Mein Sohn, der ja jetzt Soldat ist, hat mich gebeten, ihm eine zu kaufen.”
- Der Kollege, mit dem ich das Büro teile, hatte heute morgen sämtliche Rollos heruntergelassen und das Licht nicht angeschaltet. Auf irritierte Nachfragen sowie stichelnde Bemerkungen ob seiner rätselhaften Lichtempfindlichkeit reagierte er leicht gereizt, weshalb ich die Finger vom Lichtschalter ließ und mich heute mal mit dem schummrigen Widerschein meines Röhrenmonitors begnügte.
- Wegen Abwesenheit des für die Übersetzung der Korrespondez zuständigen Kollegen legte man mir eine in ganz unglaublichem Bürokommunikationsdeutsch verfasste Kurzmeldung vor, die da etwa lautete: “Anbei das Dokument, erwarten das Okay bis zum Tag x. Nicht-Einhalten der Deadline heißt für Sie Verzögerung der Lieferung.” Können Sie sich vorstellen, wie impertinent das für französische Ohren klingt? Ich bin nicht sicher, ob ich dem Feldwebelton wirklich die Schärfe habe nehmen können; nein, eigentlich habe ich das entrüstete “Oh là là” der Adressatin förmlich hören können. Wahrscheinlich boykottiert sie jetzt aus Prinzip die Deadline, und ich bin schuld.
- Ich fühlte mich seltsam erschlagen, als ich nach Hause kam, und ließ mich erstmal vor dem Fernseher nieder. 3Sat lieferte mir prompt die Erklärung für meinen akuten Phlegmatismus: Lichtmangel, so der Experte im Interview, sei schon heute ein Problem im Leben des seines Biorhythmus’ entfremdeten Menschen und werde sich bald zu einem ernst zu nehmenden Störfaktor des Fortschritts entwickeln. Lichtmangel führe zu Müdigkeit, denn der Körper denkt: Dunkel, also schlafen. Morgen bleiben die Rollos oben. Da muss der Kollege eben morgens besser Acht geben beim Rasieren.
Jazz Inaria sagte,
19. März 2008 @ 1:24
Der aldeske Relativsatz hört sich sehr nach einer rheinischen Gesprächseinladung an. Und in diesem Nichtzusammenhang eben an der Bäckerstheke:
“Kann ich Ihnen Berliner und Croissants in eine Tüte packen?”
“Können Sie, wenn Sie können.” (Und beim letzten Verb hob sich herausfordernd die Augenbraue.)
gaggadu sagte,
21. März 2008 @ 11:14
Ich habe eben darüber nachgedacht, jetzt, wo ich ja rote Haare habe (<– für deine Sammlung von irrelevanten Relativsätzen), dass dein Kollega vielleicht unter Umständen zur Gattung der Vampire zählt. Hast du das überprüft? Musst mal mit frei gelegtem Hals von deiner Blutspende erzählen, um herauszufinden, wie er reagiert. Gut, falls er dir an den Hals hüpft, dann weißt du wenigstens, dass die Vermutung gestimmt hat und solltest ab sofort Sonnenbänke meiden.
S.T.Tick sagte,
21. März 2008 @ 4:40
@Jazz: Die Antwort merk ich mir, samt zugehöriger Mimik! Macht sich sicher auch in anderen Kontexten gut!
Erst hier Vampirphantasien, dann bei dir geköpfte Osterhäschen…
@gaggadu: Holla, auf einmal so blutrünstig, jetzt, wo du rote Haare hast
gaggadu sagte,
22. März 2008 @ 2:20
@S.T.Tick: ja aber es schwächt schon wieder langsam ab – meine Haare sind nicht mehr so rot
)
(danke für ins Blogroll setzten *freu*)