Oh Dreieck, welch Wohlklang!

Ich bin zu 75 % musikalisch-visuell intelligent, sagt der Test. Das ist grad mal ganz knapp überm Durchschnitt. Weshalb ich wohl im Schulorchester auch immer nur fürs Hintergrundgeschwummer der dritten Geige zuständig war.

Kreative Köpfe schnütten laut Testkreatör übrigens besonders exzeptionell ab, wegen der synästhetischen Fähigkeiten. Pah!

(Linkidee geklaut von Zuckerziege, Eintrag vom 26. Mai)

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Impressionen aus Andalusien

Lange bevor es mich gab, reisten meine Eltern nach Spanien und lernten in einem Fischerdorf an der andalusischen Küste María kennen, deren jüngste Tochter eine exotische schwarzhaarige Schönheit war. Sie beschlossen, ihre Erstgeborene nach ihr zu benennen: Mediterran wirkt zwar so ziemlich gar nichts an mir, ihren spanischen Vornamen habe ich aber trotz Blondschopf und Sommersprossen bekommen. Inzwischen habe ich ihn durch einen spanischen Nachnamen ergänzt und das Ganze durch ein Spanisch-Studium zu einem harmonischen Gesamtbild abgerundet. Wohlgemerkt ohne bisher einen Fuß auf spanisches Festland gesetzt zu haben, von einem vorübergehenden Inselexil einmal abgesehen. Da gab es keine Flamenco-Tänzerinnen und keine Toreros, keine Tapas zum Bier und keine weißverputzen Häuser mit Patio und bunten Wandkacheln. Und wohin fährt der Japaner auf der Suche nach Dirndln und Weißwürsten? Also war klar, ins spanische Bayern soll die Reise gehen: nach Andalusien. Zweiter Grund: der Löwenhof der Alhambra. Dritter Grund: das Fischerdorf, aus dem mein Name stammt.

Das kleine malerische 100-Seelen-Fischerdorf ist keines mehr, längs der gepflasterten Uferpromenade eine lange Reihe von Touristen-Lokalen, Marías Herberge unauffindbar. Durchfragen ging nicht, es war bewölkt und sehr windig, die Lokale geschlossen, kein hilfsbereiter Alteingesessener auf der Straße. Die zweieinhalb Stunden Wartezeit bis zum nächsten Bus haben wir in der Kneipe am Eck abgesessen.

Im Löwenhof gab es keine Löwen zu sehen, die waren zwecks Restaurierung abtransportiert worden. Was mir kaum auffiel, ich stolperte wie Hans Guck-in-die-Luft mit offenem Mund durch die Gänge und Räume des Nasriden-Palastes, den Blick auf Kapitelle, Arkaden und Kuppeln gerichtet. Ab und zu stieß ich mit beflissenen Bildungsbürgern zusammen, die sich auf jeder Schwelle in ihren Alhambra-Führer vertieften auf der Suche nach Jahreszahlen, Erbauernamen und Architekturstilbeschreibungen, und wahrscheinlich kann man mich auch auf etlichen Ich-vorm-Löwenhof-Urlaubsfotos am linken Rand oder im Hintergrund bestaunen.

In die Sommerresidenz von Frederico García Lorca führte der Herdentrieb die Touristenmassen nicht. Viel zu sehen gebe es dort nicht, stand lakonisch in meinem Andalusien-Führer, und die Hochhäuser rund um den Park seien ausgeprochen hässlich. Zu sehen gab es die Originaleinrichtung und den Schreibtisch, an dem García Lorca einige seiner wichtigsten Werke verfasst hat, ein paar Manuskripte, Korrespondenzen, Fotos – mehr gibt so ein Schriftsteller halt naturgemäß nicht her, und trotzdem lohnt der Besuch. Außer uns beiden nahm nur eine ältere Dame an der Führung teil. Die junge Literaturwissenschaftlerin ließ nicht gerade weitschweifig über Leben und Werk aus und schaute immer unangenehm herausfordernd fragend in die Runde – woraufhin die ältere Dame berichtete, sie hätte früher auch so einen alten Feuerofen besessen, und mein Göttergatte die Vorzüge der Durchreiche zwischen Küche und Esszimmer lobte. Die junge Literaturwissenschaftlerin amüsiert sich sicher königlich bei ihrer Arbeit.

Flamenco-Tänze haben wir auch gesehen, und Toreros, in den Bars haben wir Tapas zum Alhambra-Bier bekommen und unsere Pension hatte einen Innenhof und bunte Kacheln an der Wand. Das Altstadtviertel Granadas ist ein am Berghang gelegenes Labyrinth aus engen Gässchen und weißgetünchten Häusern mit roten Blumenkissen auf den Dächern und grandiosem Blick auf die Alhambra; Almería ein verschlafenes, semimodernes Provinznest mit Anglern am Kai und vierspuriger Küstenstraße, mit blank polierten, von Palmen gesäumten kleinen Plätzen und Shopping-Meile im Zentrum.

Shoppen kann man ganz prima in Spanien – zumindest Menschen mediterranen Wuchses wie ich, die regelmäßig an den deutschen Wallkürenkonfektionsgrößen verzweifeln; und der Besitzer der kleinen Buchhandlung hat sich nach meinem Besuch vermutlich zur Ruhe gesetzt und fristet nun den Rest seines Daseins in einer Finca auf Mallorca. Der andalusische Tagesrhythmus sagt mir auch durchaus zu – mittags Siesta, abends Fiesta; ich war schon drauf und dran, meinen Rückflug zu stornieren, aber dann fiel mir ein, dass das vielleicht auch an den Massen an Studenten in Granada liegen könnte.

Die Postkartenschreiber unter uns vermissen jetzt vermutlich noch zwei essentielle Infomationen. Les voilà : Das andalusische Essen ist bestimmt sehr lecker, aber ich mag weder Fisch noch Meeresfrüchte noch Kaninchen, selbst wenn ich mir solche Köstlichkeiten hätte leisten können. Das Weißbrot aus dem Supermarkt schmeckt jedenfalls wie überall sonst, nach zwei Wochen überkommt einen bloß so ein leichter Überdruss. Das Wetter war schlecht. Schlappe 20 Grad, sogar ab und zu ein Wölkchen. Meinen zarten Alabasterkörper habe ich diesmal sorgfältig vermummt und eingecremt, sogar an Kopfhaut und Zehen gedacht. Bloß an die Ohren nicht. Die leuchten jetzt so rot wie die Krebse auf dem Fischmarkt von Almería.

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Jahr der Mathematik: Erleb! die! Magie!

Blogmariechen entwickelte bereits im zarten Vorschulalter eine ausgepägte Feinfühligkeit für Lernspaßmanipulationen seitens der erziehungsberechtigten Antiautoritäten. In den frühen 80ern war das nicht schwer, da hatten die Lern-Spiel-Spaß-Autonomie-Konzepte der 68er gerade die breite Öffentlichkeit erreicht und die Kinderzimmer in Form von Ich-lerne-die-Uhr-Bilderbüchern mit beweglichen Zeigern, Magnettafeln mit bunten Plastikbuchstaben, Chemie- und Elektronik-Baukästen und LÜK-Tafeln erobert. Das Spiel war leicht zu durchschauen, und wer lässt sich schon gerne auf derart tumbe Weise manipulieren? Blogmariechen jedenfalls nicht: die Zeiger im Bilderbuch bog sie nach oben und spießte ihre Knete drauf, die Magnetbuchstaben sortierte sie nach allen möglichen Kriterien nur nicht nach Wortbildungsgesetzen, und mit den Drahtstücken und Leuchtdioden des Elektronik-Baukastens spielte sie Suppekochen. Ein Wunder, dass ihr eine Montessori-Waldorf-Bildungskarriere erspart blieb.

Bekanntlich prägen frühkindliche Erfahrungen fürs Leben. Meinem LÜK-Kasten-Trauma habe ich es wohl zu verdanken, dass ich angesichts der durchdidaktisierten Gassenhauern von Rechenexempeln, die man im Jahr der Mathematik allerorten antrifft, sofort in Habachtstellung gehe. Schon das semantische Brimborium drumherum erinnert stark an den „Ich lern gern!“-Bapperl vom Kinder-Wissenquiz. Von Leidenschaft ist die Rede, Magie, von Phänomenen und unserem Alltagstrott, dessen ständige Begleiterin die Mathematik vorgeblich ist. Da ist zum Beispiel das Super-Symbolfoto vom rückwärts einparkenden Auto, geometrieaffin mit weißen Linien, Kurven und einem 40-Grad-Winkel überzeichnet und garniert mit dem Mega-Mutmacher-Slogan „Du kannst mehr Mathe, als du denkst!“ Nun, zumindest besser als rückwärts einparken, was mich betrifft.

Nach Kräften versucht man da, das alte Klischee des blassen, moderesistenten, wortkargen Mathe-As, Typ „Mein Hobby sind Computer“, zu zerstören und stellt ein buntes Potpourri aus Verblüffendem, Erheiterndem und vor allem leicht Bekömmlichen für die Leser zusammen, die das mit den Brüchen noch ganz gut, ab dem mit den Icksen und Ypsilons dann aber nichts mehr verstanden haben. Denen erzählt man dann, dass Fußbälle gar keine Kugeln sind, wie der kleine Gauß mal die Zahlen von 1 bis 100 zusamengezählt hat und warum man das Tor besser wechselt beim Zonk-Spiel. Allgegenwärtiger Sub-Text: Mathe ist cool. Aber warum stelle ich mir dennoch den Verfasser reflexartig als bebrillten LAN-Party-Gänger in Karottenjeans vor? Das muss am LÜK-Kasten-Trauma liegen. Mit Superlativen angepriesene Lerninhalte? Sicher sterbenslangweilig.

Das Pendant zur Darstellung der Mathematik als Spiel, Spaß und Spannung in einem waren letztes Jahr, im Jahr der Geisteswissenschaften, die ständigen Beteuerungen, auch Orchideenfächer seien von unschätzbarem Nutzen für den zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit und überhaupt vielfältigst anwendbar. Zugegeben, der Kampf gegen Klischees hat seinen Wert. Er wirkt derzeit bloß etwas übersteuert: Wenn man einfach die Negativfolie darüber legt, hat man im Prinzip nichts erreicht, dann wird aus Schwarz Weiß und umgekehrt, am Bild ändert sich sonst aber nichts.

Muss man wirklich am laufenden Band Effektvolles aus dem Hut zaubern? Muss es immer die Schokoladenseite sein? Nicht zuletzt verrät die Reformpädagogenmanier, in der die Informationen dargeboten werden, einiges über die Zielpublikumsvorstellungen der „Mathemacher“: Keiner hört zu, wenn’s nicht ordentlich knallt und stinkt.

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Pimp my blog

Tiefgrün vor Neid gafft D-Blogmarie mal wieder auf die Besucherzahlen von Germanys A-Bloggaz. Komplexe kriegt sie da, weil ihre eigenen immer so phlegmatisch die Nulllinie entlangdümpeln. Sie kann wirklich von Glück reden, dass sie noch nicht in die Miesen gerutscht sind. Und das nur, weil sie hier immer alles mit Urlaubsfotos vollpostet, die sie dann auch noch für relevant hält. Deswegen schreibt sie heute nicht, wie ursprünglich intendiert, über das, was ihr Kater heute gemacht hat, was so süß war, sondern bloggt zur Abwechslung mal genauso thematisch wie mit Sc**anz. Eine Prise SEO kann da auch nicht schaden. Sie arbeitet also mit einem Haupt-Top-Keyword, mit dem sie sich im Ranking nach oben juckelt, und einer Reihe von Neben-Top-Keywords, mit denen sie die Treffer streut. Rhetorisches Gedöns braucht sowieso kein Mensch, und erst recht nicht die erwartete Leserflut. Lässt sie also weg.

Für Sophie von Germany’s Next Topmodel ist der Traum von der Karriere auf dem Laufsteg nun geplatzt. Sie wird nicht mit Heidi Klum, Gisele, Raquel, Jenny und den anderen Girls nach Australien reisen. Google hingegen erlitt keinen derartigen Erfolgsknick und freut sich über die guten Quartalszahlen, die das Unternehmen heute nach US-Börsenschluss mitteilte. Im ersten Quartal 2008 konnte Google Umsatz und Gewinn erheblich steigern. Die Analysten hatten laut Spiegel Online mit einem Umsatz von 5,13 Milliarden Euro gerechnet, tatsächlich vermeldete Google für das erste Quartal laut Quartalszahlen 2008 einen Google-Umsatz 2008 von 5,19 Milliarden Euro, sowie einen Nettogewinn von 4,12 Dollar je Aktie. Haupt-Einnahme-Quelle von Google sind seit je her AdWords und AdSense. Um etwa 20% stieg in diesem Quartal die Zahl der Klicks auf gewerbliche Suchanzeigen. Die Google-Quartalszahlen können sich also sehen lassen, trotz der befürchteten Übersättigung an Online-Werbung. Börsenspekulanten werden diese Zahlen befriedigen, es bleibt abzuwarten, ob damit nun der Höhepunkt erreicht ist, oder dies noch nicht die Klimax war. Das Kreativ-Blog listet zum Vergleich die Quartalszahlen von Google für die Quartale des vergangenen Jahres mit je 3.66, 3.87, 4.32 und 4.83 Milliarden Dollar je Quartal, und weist darauf hin, dass Marc S. Mahaney, der Citigroup- Anal yst, die Aktie von Google, unverändert mit „buy“ einstuft und das Kursziel läge bei 600 USD.

Die Blogger-Community wird besonders die Entwicklung im Bereich AdWords und AdSense im Auge behalten, sich aber wohl auch verstärkt nach anderen Verdienstmöglickeiten mit Blogs umsehen, wie z.B. Trigami. Dadurch würde auch die tägliche, Zeit aufwändige Suche nach Top-Keywords wie Paris Hilton, Ikea und Co. überflüssig.

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Urlaubsplanung

Göttergatte (maulend): „Ich will aber nicht nach Barcelona, ich will ans Meer!“

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Adieu, Uni!

Blogmarie freut sich, als die beiden Professoren sie wieder hereinbitten und ihr zur sehr guten Prüfungsleistung gratulieren. Ein bisschen enttäuscht war sie zunächst, weil sie den Einstieg vor lauter Nervosität und akuter Denkblockaden so versemmelt hat, stolz wie Bolle ist sie jetzt über das Lob für den komplizierten Beweis, den sie in der Klausur skizzieren konnte, und dann ärgert sie sich noch über den stiefmütterlichen Kommentar zu ihrem Beweis einer Trivialität, den der Herr Professor höchstselbst nicht so elegant hinbekommen habe, wie er – die Wahrheit ungeniert beugend – behauptet. Noch ein paar Sätzchen höflicher small talk und Blogmarie leaves the building.

Dann steht sie auf der Straße und weiß nicht so recht, wohin mit sich. Eigentlich müsste sie ja jetzt stante pede ihr Telefonbuch durchtelefonieren, fünfzehn Mal hysterisch „Mit Eins und Sternenstaub bestanden!“ in ihr Handy brüllen, dann auf die nächste Kneipe zusteuern und eine Runde Schampus für alle ordern. Stattdessen wird sie vom Pathos übermannt, überquert ein allerletztes Mal den Campus, nutzt zum allerletzten Mal die Toiletten im Hauptgebäude, betritt zum allerletzten Mal die Bibliothek um ihre Bücher abzugeben, und in ihrem ganzen verbleibenden Leben wird sie nie wieder hier Bücher ausleihen, macht sie sich klar. Dabei hat sie sich erst gestern noch königlich über den ultraschwülstigen Einleitungssatz im Einladungsschreiben für die offizielle Absolventenverabschiedungsfete amüsiert: „Für Sie geht mit dem Studienabschluss ein Lebensabschnitt zu Ende und ein neuer Abschnitt beginnt.“ Jetzt findet sie plötzlich, der Herr Beamte, der die Prüfungsorganisation sachbearbeitet, habe da den Nagel ganz schön auf den Kopf getroffen.

In Melancholie ertrinkend schlurft sie zur U-Bahn, und in der Innenstadt trifft sie zufällig ihre Freundin, die gerade in der Mittagspause und nicht in der Stimmung für Empathiebekundungen ist. „Du tust mir gar nicht Leid. Jetzt geh erstmal shoppen!“ Nur womit denn, oh Henry? Meinem Studentenausweis im Kreditkartenformat? Das Leben kann so hart sein.

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Kaffee

Ich lasse mir da von der Lebensmittelherstellerlobby nichts einreden: Proteine, Vitamine und Mineralstoffe sind Erfindungen von Großkonzernen, genauso wie diese Joghurtbakterienkulturen, ohne die wir angeblich in schwarzweiß durch die Welt schlurfen, und das ist ja wohl zweifellos eine dreiste Lüge. Wenn Sie dem jetzt widersprechen, dann weiß ich nicht, von welchen mir unbekannten wahrnehmungsverflachenden Nährstoffen Sie sich so ernähren, mein Körper funktioniert jedenfalls auf Koffeinbasis, und ich sehe immer alles in Multicolor.

Ich habe auch neulich erst aus verlässlicher Quelle (dem Infoscreen in der U-Bahn-Station) erfahren, dass ein ordentlicher Koffeinschock am Morgen die Gehirnzellen erst richtig auf Trab bringt. Das ergab eine vermutlich mit unseren Steuergeldern finanzierte psychologische Studie, in der eine Probandengruppe bis Unterkante Oberlippe mit Espresso abgefüllt in einem Intelligenztest gegen eine andere, stocknüchterne antrat. Die Kontrollgruppe erhielt wahrscheinlich Ost-Muckefuck als Placebo, aber das ist jetzt nur meine persönliche Vermutung.

Ich gehöre nicht zu jenen Kaffepuristen, die schmerzerfüllt wegen sich aufrollender Fußnägel das Gesicht verziehen, wenn man Starbucks auch nur erwähnt. Meist setze ich dann aus purem Sadismus noch einen drauf und schwärme vom Extra Shot Expresso im Latte Matschiato, der den Karamel-Flavour erst richtig zur Geltung bringt. Das ist nicht mal gelogen. Ich zahle auch ohne schlechtes Gewissen zweimal die Woche die Vier Euro Fuffzig, die wahrscheinlich ohne Abzug von Kaffeebauerlöhnen por completo in die Taschen eines amerikanischen Immobilienmarktgroßinvestors wandern, und jammere auch trotzdem über meine studentische Dauerfinanzkrise. Man muss die kognitive Dissonanz eben auch mal kognitive Dissonanz sein lassen.

Mit der Brühe von der Unicafeteria habe ich aber dagegen eher schlechte Erfahrungen gemacht. Jetzt nicht, weil sie immer höchstens lauwarm und viel zu dünn ist, dafür ist sie ja billig. Mir ist es aber zweimal passiert, dass so ein Rastlockenschluri vor mir seinen Becher hat fallen lassen, der knapp einen halben Meter von meinen Füßen entfernt auf dem Boden landete. Da half es dann auch nicht, dass Mister Jamaika, unverständliche Entschuldigungen murmelnd, zum Tempo griff und unbeholfen an meinen Schuhspitzen herumtupfte, das Problem war ja eher das übelriechende Kuhmuster auf der weißen Hose, in der ich noch vier Seminare überstehen musste.

Einmal habe ich es auch ganz ohne fremde Hilfe geschafft, mich von Kopf bis Fuß mit Kaffee zu übergießen. Selbiger befand sich zu Beginn der Vorlesung noch im Pappbecher, ein Großteil davon auch noch kurz vor Vorlesungsschluss, als ich beschloss, mich möglichst unauffällig und lautlos vorzeitig aus dem Saal zu schleichen. Eine ungeschickte Bewegung mit dem Ellbogen genügte und der Inhalt ergoss sich weiträumig quer über die Bank, auf mich, und auf die Kommilitoninnen vor mir, die alles andere als unauffällig und lautlos losquieckten. Ich habe mir selten dringlicher gewünscht, im Erdboden zu versinken.

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