Archive for Dezember, 2007

Falk Routenplaner wünscht gute Fahrt!

Es spricht ja nichts dagegen, sich den kostenlosen Routenplaner-Service von finanzstarken Unternehmen sponsorn zu lassen, man sollte aber darauf achten, dass die Wahl der Sponsoren und die Platzierung der Werbung dem Prestige des eigenen Ladens keinen Abbruch tut. Ich wollte zwar, dass Falk mir die schnellste Route berechnet, aber natürlich nicht auf Kosten der Sicherheit!

routenplaner2.jpg

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Rohr-Ohr-Zucker

Eines vorweg: Ich kaufe nicht in Bioläden. Ich kenne zwar einen, aber da habe ich Hausverbot, seit ich wegen der unschönen Runzelstellen an den Karotten Preisnachlass verlangt habe. „Das ist Natur“, empörte sich Langhaar-Schorsch damals, schön und gut, entgegnete ich, aber da gibt es ja Mittel und Wege, vor allem Mittel, davon kauft man sich halt mal ein paar Kanister, besorgt sich noch kostengünstig einen ausrangierten Agent-Orange-Helikopter, sprüht den Mist auf die Felder und gut iss. Wahrscheinlich würde es auch reichen, wenn man statt dieser Energiesparfunzeln ein paar ordentliche 1.000-Watt-Neonröhren über dem Gemüseregal anbringen würde, die bügeln die Mäkel zumindest optisch aus. Dazu noch eine Sprinkleranlage für die Frische-Illusion, dann kaufe auch jeder klaglos seine Schrumpelmöhren und schneckenzerfressenen Kohlköppe, erklärte ich Langhaar-Schorsch, der mich daraufhin des Hauses verwies.

Sie brauchen jetzt gar nicht so empört nach Luft schnappen. Hand aufs Herz (wir sind ja unter uns), Sie kaufen doch auch keinen Fair-Trade-Kaffee, wenn der „Preistipp der Woche“ daneben nur halb so viel kostet. Der Wohlstand der Ersten Welt wird ohnehin überschätzt, das glauben doch diese Bootsflüchtlinge, die Spanien und Italien überschwemmen, dass hier die Geldbäume auf der Straße wachsen, die werden auch noch auf den harten Boden der realen Tatsachen fallen, von nix kommt nix, wir in Europa mussten uns schließlich auch unser hartes Brot erarbeiten. Und da kann man sich auch mal Erdbeeren gönnen, auch im Winter, die Brummi-Fahrer wollen schießlich auch von irgendwas außer der Hand im Mund leben. Die werden schließlich auch gebraucht und müssen sich nicht schämen, Ärzte, klar, das ist der ehrbarere Beruf, aber es kann ja nicht jeder Arzt werden. Außerdem, das darf man schließlich auch nicht vergessen, wir importieren die Erdbeeren im Winter ja aus den heißen Kontinenten und bezahlen in guten harten deutschen Euros und die wiederum stecken sie mir nichts dir nichts in die eigene Tasche, Doppelmoral ist da also schon auch mit im Spiel. Mit der Erderwärmung wird das eher noch besser, je heißer, desto mehr Erdbeeren kann man auch anbauen. In der Opferrolle sehe ich persönlich da niemanden.

Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf und kehren zu unserem Bioladen zurück. Ohne Quechua-Suaheli-Urdu-Deutsch-Wörterbuch hat man da ja zum Teil gar keine Chance, weil die ja auch nichts in gescheiten transparenten Plastiktüten verpacken. Ich kaufe doch kein Jute-Säckchen, nur, weil da „Quinoa“ draufsteht. Von den Amaranth-Samen habe ich mir mal einen Karton zugelegt, als mir die Geranien auf dem Balkon alle erfroren sind, so exotische Amaranth-Blüten machen schon was her, dachte ich. Leider haben die Tauben sämtliche Kübel restlos leergepickt, und denen sind die Samen derart auf den Magen geschlagen, dass ich den ganzen Tag gebraucht habe, um den Dreck vom Geländer zu kratzen. Den hätte ich eigentlich eintüten sollen, in transparenten Plastikbeuteln, und bei Langhaar-Schorsch zurück ins Regal stellen, direkt neben die Amaranth-Samen, aber wir sind ja zivilisierte Leute.

Lange Rede, kurz und gut, da sieht man wieder, dass zu viele Fremdsprachen im Hirn kollidieren und bloß Chaos veranstalten, jedenfalls hat das Deutsch der Bioproduktentwickler heftig darunter gelitten. Denn was lese ich auf der Biozucker-Tüte?

rohrzucker3.jpg Rohr-Ohr-Zucker?

Ja glaubt man da noch, dass Produkt-Namen vom Marke-Tingmana-Gement über Wer-Best-Rate-Gen bis hin zu den Kata-Logset-Zern gut und gerne 10 Instanzen durchlaufen, bis sie auf der Verpackung landen? Richtig eingesetzt können Bindestriche durchaus dazu beitragen, den Sinn von Wortkomposita zu desambiguisieren. Ich werde gleich mal einen Brief aufsetzen: „Lieber Langha-arsch-orsch!“

 

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Personal novels

Geschenke mit persönlicher Note kommen ja bekanntlich besser an als Krawattennadeln von Tchibo oder Körperpflegesets mit Kokos-Aroma. Wenn Sie so Ihre Zweifel haben, ob Ihre Liebste es Ihnen danken wird, wenn Sie zum Pinsel greifen und ihr Antlitz in Öl auf Leinwand verewigen, oder ob Ihr Liebster die selbstklebende Abziehfolie mit Ihrer Liebeserklärung in Versform tatsächlich auf der Heckscheibe seines tiefergelegten Puntos anbringen wird, dann schafft vielleicht die neue Produktlinie des Kulturvereins „Books on demand“ Abhilfe.

Personal novels sind Romane, die exklusiv für denjenigen verfasst werden, den Sie unterm Christbaum mit Ihrem Einfallsreichtum und Ihrem feinen Gespür für geschmackvolle Gaben beschämen wollen. Der Bestellvorgang geht folgendermaßen vonstatten:

Sie wählen zunächst eine Gattung. In der Kategorienliste sind nicht nur alle großen, zeitlosen Genres der abendländischen Literatur vertreten (Liebe, Abenteuer, Mystery und „klassisch“), sondern auch maßgeschneiderte Gattungen für „den richtigen Ton“, wie „Gleich&Gleich“ oder „Freche Mädchen“. Nehmen wir an, Sie entscheiden sich für die Gattung „Liebe“.

Sie wählen alsdann eine Romanvorlage, z.B. „Venezianische Nächte“. Die bündige Kurzzusammenfassung informiert Sie über das Wesentliche: „Liebesgeschichte mit Heiratsantrag“. Namen, Kosenamen, Haar- und Augenfarbe der Figuren bestimmen Sie selbst: Der rothaarige Ralf alias Schnuffelchen, Herzog von Venedig, und die blonde Mausi-Franzi mit den blaugrauen Augen aus Palermo sind dann z.B. die Protagonisten Ihrer personal love story. I.d.R besetzen Sie die Hauptrollen mit sich selbst und Ihrer besseren Hälfte, wobei Sie die Figurenkonstellation theoretisch auch für andere Zwecke missbrauchen könnten, etwa um Ihrem Liebling durch die Blume mitzuteilen, dass Sie seit geraumer Zeit von einem heißblütigen Venezianer umschwärmt werden, den Sie in Bälde zu heiraten gedenken. In diesem Fall kommen die Liebesszenen, von denen man Ihnen vorab eine kostenlose Kostprobe darbietet, sicher besonders gut an. Sie können dabei wählen zwischen der „Variante lässig“ und der „Variante rassig“. Hier mal ein (aus Gründen der bienséance zensierter) Auszug aus der „Variante rassig“:

„Sie biss […] während er […] und […] ihre Schenkel […]. Laura stöhnte […] während er […] zwischen ihren Beinen […]. […] Körper, […] Feuchtigkeit […]. […] murmelte Ernesto […], aber Laura […] fühlte nur, wie […] immer stärker […]. Ihre […] klebten […]. „[…]“, keuchte er. „Wenn du […], geht es leichter.“ Laura […] wild. Ihre […] feuchten […] seines […]. Der […] zwischen ihren Beinen […] unbarmherzig […], während […] Mann […] in kurzen, heftigen Stößen […].“

Jetzt müssen Sie nur noch einen Einband wählen und die gewünschte Anzahl an Exemplaren bestellen, und schon sind Freudenschreie und feuchte Augen am Gabentisch garantiert.

Personal novels eignen sich auch, um mal ganz perfide zu testen, ob man Ihre Geschenke überhaupt wertschätzt. Dazu bennenen Sie nicht einen der Protagonisten nach Ihrem Opfer, sondern irgendeine Randfigur, die auf S. 187 zum ersten und einzigen Mal die Bühne des Geschehens betritt. Wenn dann besagte Person auf Ihre Nachfrage hin, wie ihr der Roman denn gefallen habe, lediglich scheinheilige Allgemeinplatz-Lobhudeleien wie „Oh, wunderbar, so spannend, mir ist glatt die Gans im Ofen verkohlt!“ ausstößt, tja, dann wissen Sie, im kommenden Jahr schenken Sie ihr den badkachelblauen Porzellanschwan, den Sie eigentlich für den nächsten Polterabend aufgehoben hatten.

Ich persönlich vermisse in der Romanvorlagenauswahl ja die großen Kanonwerke der Weltliteratur. Eigentlich hatte ich vor, mal bei den Autorinnen und Autoren unverbindlich anzufragen, ob sie mir nicht „Romeo und Julia“ liefern könnten, aber mit Happy End, mir und meinem Hasenschnucki in den Hauptrollen und Klein-Vierwiesenhahn als Schauplatz. Gerne im englischen Original, wobei die vielen schwierigen Wörter, die man in der Schule nunmal nicht lernt, natürlich durch leicht verständliche Synonyme hätten ersetzt werden müssen. Am liebsten hätte ich den Germanisten oder Anglisten, den BoD für 4,50 Euro die Stunde als Autor beschäftigt, persönlich an der Strippe gehabt und um seine Meinung gebeten. Die Angelegenheit hat sich aber erübrigt, ich habe jetzt doch schon ein After Shave besorgt.

Die Personalisierung von Kanonwerken würde ja ganz neue Perspektiven eröffnen. Da könnte man den Chef eines morgens als fetten Käfer erwachen lassen, seine verflossenen Lieben je nach Schwere der Schuld auf Dantes zehn Höllenkreise verteilen oder im Stadtteilanzeiger den dem Nachbarn auf den Leib geschriebenen Fortsetzungsroman „Lolita“ veröffentlichen. Auch die eigenen schweren und einsamen Stunden könnte man auf diese Weise versüßen, oh Blogmarie-Aurora-Laurea, Rächerin der Enterbten, Nemours und Saint-Preux liegen dir zu Füßen!

Mich als erfahrene und an chronischen Geldnöten leidende Trittbrettfahrerin inspiriert das personal-novel-Konzept natürlich zu schamlosen Imitationen. Man könnte es z.B. auf andere Kunstformen übertragen. Liebe Leserinnen und Leser, in Kürze entsteht hier der Online-Shop „Ihr Gesicht im Abendmahl“. Oder auch „Alte Opern – neu wie nie für Sie“. Die Callas singt bis einschließlich zum „Amami“, und ich singe dann exklusiv für Sie und Ihren Schatz mit meinem göttlichen Koloratur-Sopran den gewünschten Namen ein. Ich verspreche Ihnen, Sie werden begeistert sein! Da wird Ihr Wohnzimmer zur Mailänder Scala!

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    Wie man sein Blog bekannter macht

    Sich bei Bekannten anbiedern, für den individuellen Header seinen Bauchnabel ablichten, Themen wählen, die mehr hergeben als die letzte Vereinssitzung vom TSV Arschbackenwalde. Was tut man nicht alles, und trotzdem ähnelt der Graph in der Blogstatistik eher dem Höhenprofil Ostfrieslands als der Inflationsentwicklung von 1923. Zugegeben, die offiziellen WordPress-Tipps sind im Ansatz nicht verkehrt. Extrembloggern wie mir fehlt da aber das Tüpfelchen auf dem i, das Minzblatt auf der Crème brûlée, der Schuss Tee im Whiskey. Ich bitte jetzt um Kniehymnen, Blumenfälle und Lobessträuße, denn ich habe extra für Sie eine Überdosis Dextroenergen eingefahren, mein Hirn mit einem gezielten Griff in die Steckdose stimuliert und folgenden Ideenpool in die Tasten gehämmert. Auf das bald die Hedge-Fonds-Geier geifernd Ihr Blog umkreisen!

    1. Feilen Sie an Ihrem Stil, konsultieren Sie von Zeit zu Zeit zu Zeit den Duden. Sie werden überrascht sein, es gibt eine ganze Menge Synonyme für „tun“.
    2. Ihre Leser wollen wissen, wessen Ergüsse sie vor sich haben. Legen Sie deshalb ein Profil an. Kleine Beschönigungen der Tatsachen sind durchaus erlaubt. Schreiben Sie nicht „Dieter, 43, Elektroinstallateur“, sondern besser „Ramona, 22, exotische Tänzerin“. Googeln Sie nach Fotos Ihrer letzten Auftritte im Crazy Horse und beim Karneval in Rio und erstellen Sie eine Bildergalerie. Sie müssen sich nicht auf allen Fotos gleich ähnlich sehen, auf die Haarfarbe achtet eh niemand.
    3. Keine Scheu vor Konfrontationen, schreiben Sie kontrovers! Hier ein paar Themenvorschläge:
      • Atomwaffensperrvertrag – Geißel des Okzidents
      • Ja zur Privatisierung der Trinkwasserressourcen
      • Erfolgsmodell Hartz IV
      • Welthungerhilfe oder wo unsere Milliarden versacken
    4. Definieren Sie eine Kategorie „Firmeninternes“ und betätigen Sie sich als Enthüllungsjournalist. Berichten Sie, wie Herr L. sich neulich im Kundengespräch so empfindlich im Ton vergriffen hat, wer für den Büromaterialienschwund verantwortlich ist und warum Frau B. und Herr M. so bereitwillig gemeinsam das Kellerarchiv aufgeräumt haben. Schicken Sie dann eine Rundmail mit Ihrem Link an alle Kollegen, mit der Betreffzeile „HEY HEY HEY, mein neues Blog!“
    5. Sie sind für die Pflege der Firmenhomepage zuständig? Dann setzen Sie Ihren Bloglink doch einfach direkt unters Fimenlogo!

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    Tipps von der Backfee (nicht jugendfrei)

    Sie haben Ihre Haustür einladend mit Tannenzweigen geschmückt. Die Lichterkette um den Schornstein gewickelt. Den Riesenplüschnikolaus an den Balkon gehängt. Kommoden und Beistelltische mit festlich bestickten Klöppelspitzendeckchen ausgelegt. Unmengen von Filz und Perlgarn zu 2×24 Adventskalendersäckchen für Marvin und Finn verarbeitet und mit Vollkornschnitten und Lernspielen bestückt. Die Bratapfel- und Weihnachtsgansfüllung vorbereitet und in (unterschiedliche, vorsorglich beschriftete) Tupperdosen gegeben und eingefroren. Sie haben mit den anderen Müttern vom Elternstammtisch Plätzchenrezepte ausgetauscht (wobei man sagen muss, also manche, nein wirklich, die armen Kinder!), unermüdlich Teigkugeln und -hörnchen geformt, glasiert, in Kokos gewälzt, mit Marmelade gefüllt. Abends, nachdem Sie Ihrer Familie ein mineralstoff- und vitaminreiches Low-Fat-Festmahl kredenzt haben (Ihr Mann macht dafür den Abwasch), und nachdem sie Marvin und Finn ins Bett geschickt mit kindgerechten Erklärungen von der Notwendigkeit, früh schlafen zu gehen, wenn man früh aufstehen muss, überzeugt haben, verbringen Sie ihre Freizeit (von 22:40 bis 22:50) damit, als „Powermom76“ oder „Küchenhexe4u“ in Rezepttauschforen Ihren Geschlechtsgenossinnen Sätze wie „Also mein Mann liebt diese Plätzchen. In die könnte er sich reinsetzen. Ich mache immer gleich 2 Kilo davon“ vor den Latz zu ballern.

    Liebe Leserinnen. Altruismus ist die Tugend der Erfolglosen. Ist Josef Ackermann etwa altruistisch? Flavio Briatore? Ich? Sehen Sie. Denken Sie immer zuerst an sich. Wenn Sie Angst haben, Ihr Mann lässt sich scheiden und zahlt Ihnen (seit 8 Jahren im Mutterschutz, beruflicher Wiedereinstieg aussichtslos) die Alimente nicht, wenn Sie sich weigern zu backen, dann backen Sie ihm Plätzchen, von denen Sie auch etwas haben. Zum Beispiel:

    Blogmaries Spritzgebäcktraum

    Zutaten:

    6 große Eier
    250 g Nashornmehl
    150 g holländische Margarine auf der Basis marokkanischen Pflanzenextrakts (nicht im Handel erhältlich)
    150 g kubanisches Zuckerrohr
    je 2 EL getrocknete Granatapfelkerne, südfranzösische Trüffelpaste und Chilipulver
    1 Pfund Litschis
    1 Tasse Yin&Yang-Tee

    (die Mengen können je nach Bedarf und Geschmack variiert werden)

    Die Eier trennen (Fachjargon, heißt: das Eigelb vom Eiweiß trennen; der Umgang mit Eiern erfordert Fingerspitzengefühl und etwas Übung). Das Eiweiß steif schlagen. Das Zuckerrohr in der Küchenmaschine schreddern, dann bei schwacher Hitze den Saft auslassen. Die Hälfte des Safts gut mit dem Eischnee mischen, bis die Masse zähflüssig vom Löffel abtropft. Nashornmehl, Margarine, Granatapfelkerne, Trüffelpaste und Chilipulver unterheben. Litschis schälen, mit den Zähnen entkernen. Den Teig in einen Plastikbeutel füllen, unten ein Loch reinschneiden und walnussgroße Kleckse auf das Backblech spritzen. Jeweils eine Litschi in die Mitte drücken. Die andere Hälfte des Zuckerrohrsafts mit dem Yin&Yang-Tee verrühren und die Plätzchen damit überziehen. Die Plätzchen im Ofen backen, bis der Teig fest wird (2 Minuten reichen nicht).

    Heimlich die Schwiegereltern ausladen, Marvin und Finn bei ihnen einladen. Beim Schlachter die Vorbestellung für die Weihnachtsgans canceln. Bratapfel- und Gansfüllung im Gefrierschrank lassen. Die Plätzchen an Heiligabend servieren. Frohe Festtage!

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    IKEA, samstags, kurz vor Weihnachten

    Es gibt sicher günstigere Momente, zu IKEA zu fahren um einen BESTA-Schrank mit VARA-Tür zu erwerben als an einem Samstag in der Vorweihnachtszeit. Da verspüren seltsamerweise Tausende gleichzeitig den Wunsch, ihre Lieben unterm Christbaum mit Yuccapalmen, KORKPLAT-Topfuntersetzern und SLAFGUD-Bettwäsche zu beglücken. Wäre man Verschwörungstheoretiker, könnte man jetzt vermuten, in der IKEA-Family-Card sei ein Mikrochip eingebaut, der immer vor Weihnachten Signale an das Hirn ihrer Inhaber sendet und dort millisekundenkurze, unterschwellige Bildsequenzen schwedischer Wohnidyllen in rotweißen Holzhäusern erzeugt.

    Für meinen Entschluss, an einem Samstag kurz vor Weihnachten zu IKEA zu fahren, waren aber keine elektromagnetischen Wellen verantwortlich, sondern die wiederholten, in leichtem Nörgelton vorgetragenen Beschwerden meines Mannes, er brauche dringend einen neuen Kleiderschrank für seine Winterpullis (unsere Rollenverteilung ist nicht eben klassisch).

    Vor der Ausfahrt herrscht kein Stau und wir finden auch sofort einen Parkplatz. Zufall? Satellitengestützte Steuerung der Besucherströme über den Chip in der IKEA-Family-Card? Die kollektive Erwartung eines Massenandrangs und in der Folge der kollektive Entschluss, zu Hause zu bleiben? Der wahre Grund steht in fetten Lettern auf einem übersimensionalen Schild in der Eingangshalle: Wegen eines Streiks könne es zu längeren Wartezeiten an den Infoständen und Kassen kommen. Wahrscheinlich warnt man davor schon seit Tagen per Hörfunk, Hotline und Family-Card-Infosystem.

    Aber gut, auf lange Wartezeiten an den Kassen bin ich ohnehin eingestellt und die Infostände gedenke ich nicht in Anspruch zu nehmen. Entgegen der Absicht meines Mannes, sich erstmal umzuschauen und mit dem Gratis-Papier-Metermaß von IKEA alle Bonde- und Billy-Schrankwände vor Ort einzeln auszumessen, habe ich im Vorfeld die Schrankwand-Planer-Seiten im Katalog konsultiert und weiß genau, welcher Schrank es sein soll.

    Wir müssen dann doch am Infostand anstehen, weil irgend jemand nicht kapiert hat, wofür die ganzen Selbstbedienungssäulen mit den Bleistiften und Blöcken da sind, und den Artikelinfo-Zettel mit der Angabe des Regalfachs, in dem BESTA in der SB-Halle lagert, vom Ausstellungsstück gerissen und mitgenommen hat. Letztlich sind wir dem Kunden mit der langen Leitung aber dankbar, denn so erfahren wir, dass zwar der Schrank vorrätig ist, aber nicht die Tür. Wir machen trotzdem nicht auf dem Absatz kehrt, denn wer weiß? Sonst sagt man uns vielleicht in 2 Wochen, dass jetzt zwar die Tür da ist, aber nicht der Schrank: Entdecke die Möglichkeiten!

    Vom Streik merkt man nicht viel. Zumindest nicht am Personalaufkommen. Dafür werden die Besucher über Lautsprechersystem von der Geschäftsleitung darüber in Kenntnis gesetzt, dass IKEA seine Mitarbeiter nicht nur übertariflich bezahlt, sondern ihnen sogar das inzwischen rar gewordene Weihnachts- und Urlaubsgeld zugesteht, selbige ihrem Arbeitsgeber ergo dankbar sein sollten, statt Köttbuller zu zählen und herumzumalmöen. Mich persönlich stimmt so eine defensive PR-Strategie eher misstrauisch. Das weckt in mir Kindheitserinnerungen. Da der Versuch, die Knete im Teppich oder die Fernbedienung im Aquarium einfach totzuschweigen, meistens fehlschlug, habe ich auch immer schon im Voraus meine Version der Geschichte zum Besten gegeben.

    Die Schlange beginnt, als die Kasse noch außer Sichtweite ist. Mein Mann stellt sich ohne Murren und Knurren mit der Geduld und dem Gesichtsausdruck eines Zen-Buddhisten hinten an. Vermutlich sortiert er bereits mental seine Winterpullis in die Schrankfächer ein (während ich mental versuche, die Innenraummaße unseres Twingos mit dem 2-Meter-Paket in unserem Einkaufswagen in Einklang zu bringen). Jedenfalls kann er offenbar auf mich als Entertainer während der Wartezeit verzichten, was mir die Möglichkeit gibt, das Weihnachtssortiment im Kassenbereich zu begutachten. Absolutes No-Go dieses Jahr unterm Christbaum: Das traditionelle Sternen-Engelchen-Weihnachtsmänner-Geschenkpapier mit getrullertem Hochglanzgeschenkband. Understatement ist angesagt, schichte, opake Oberflächen in Mokka und Siena, dazu geflochtene Schurwollkordeln. Ich trage eine Auswahl davon zum Einkaufswagen, muss sie aber wieder zurücklegen, weil mein Mann es gar nicht lustig findet, dass ich sein Geschenk in Packpapier einwickeln und mit Bindfaden verschnüren will. Die Design-Abteilung von IKEA hat aber noch mehr trendy X-Mas-Accessoires entworfen: zum Beispiel runde Grußkarten mit IKEA-Gardinen-Muster und mit Stricklieslschnüren umwickelte Weihnachtsbaumkugeln. Kerzen gibt’s dieses Jahr nur im XXL-Format. Also wenn ich mir vorstelle, mein Wohnzimmer mit Ein-Meter-Zwanzig-Kerzen mit 30 Zentimeter Durchmesser zu dekorieren, mal ehrlich, was denken denn dann die Nachbarn von mir?

    Der Schrank ist inzwischen aufgebaut, und mein Mann hat auch sofort seine Winterpullis einsortiert, obwohl die in Ermangelung der Schranktür langsam einstauben. Aber wer weiß, wann die wieder erhältlich ist. Vielleicht besorge ich mir eine IKEA-Family-Card und springe dann gleich ins Auto, wenn eine buchefarbene VARA-Tür vor meinem inneren Auge erscheint.

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    iPod nano in 7 Schritten

    Eigentlich bin ich keiner von diesen E-Junkies, die tagelang auf dem Parkplatz des Elektronik-Fachgeschäfts campen, um den weltweit ersten Turbotoaster mit GPS-Peilsender zu erstehen. Die mitleidigen Seitenblicke der Pendler auf meinen tragbaren CD-Spieler morgens in der Bahn nagten aber doch an meinem Statusbewusstsein. Zum Geburtstag habe ich mir deshalb einen iPod gewünscht. Positiver Nebeneffekt: Man fühlt sich damit dermaßen up to date, dass einen selbst der Anblick des Flammenmeers auf der Geburtstagstorte nicht erschüttern kann. Für alle iPod-Neulinge: Hier ein Erfahrungsbericht in sieben Schritten.

    Step 1: Ich suche die Bedieungsanleitung in dem schmucken Plastikkästchen, in dem der iPod geliefert wird, und finde ein Beipackzettelchen im nano-Format. Darauf stehen zwei Internet-Adressen: Eine für den iTunes-Download und die andere für das User Manual. Der Download und die Installation von iTunes lassen mir massig Zeit, mich mit dem User Manual vertraut zu machen.

    Step 2: Das User Manual gibt’s nur auf Englisch. Das merke ich, nachdem ich deutsch als Benutzersprache für iTunes definiert habe. Die Findigkeit des Übersetzers in allen Ehren: Es erweist sich als schlichtweg unmöglich, die deutschen Entsprechungen für die englischen Befehle zu finden.

    Step 3: Damit ich künftig im iTunes Music Store shoppen kann, überwinde ich mein Misstrauen gegenüber bargeldlosem Zahlungsverkehr im Internet (mit der Lemming-Logik: „Wenn so viele Menschen auf der Welt den Service nutzen, dann muss er ja sicher sein.“) und nehme das Angebot an, ein Click-and-Buy-Konto zu eröffnen. Das funktioniert multimedial. Nach den üblichen Sicherheitsfragen nach dem Mädchennamen meiner Mutter, der Farbe meiner Schultüte und meiner Lieblingseissorte bekomme ich per SMS eine PIN geschickt und einen Cent aufs Girokonto überwiesen mit einer zweiten PIN im Verwendungszweck (Idee für meine imaginäre Liste „Wie ich zu Geld komme“: 100.000.000 Click-and-Buy-Konten eröffnen).

    Step 4: Ich beschließe, meinen iPod manuell zu verwalten. Dafür muss ich nur ein Häkchen in das dafür vorgesehene Feld machen. Theoretisch. Rein praktisch teilt mir iTunes jetzt mit, das ich erst die neue Version runterladen müsse. Ich wundere mich zwar etwas, dass die iTunes-Macher ihr Programm im Minutentakt überarbeiten, folge aber mangels Alternativen treudoof den Anweisungen. Resultat: Nichts funktioniert mehr, mein iPod gibt keinen Mucks mehr von sich. Ich überlege kurz, ob ich ihn aufbrechen soll um das Magnetband aus der Spule zu befreien, beschließe dann aber, besser erstmal meinen Bruder zu fragen, was er von meiner Troubleshooting-Maßnahme hält.

    Step 5: Er hält sie für ineffizient und mich für geistig umnachtet. Da geht er konform mit anderen iPod-Besitzern meines sozialen Umfeldes, die mir allesamt versichern, es gehöre seltenes Talent dazu, die Idiotensicherungen von iTunes zu druchbrechen. Zum Glück gelingt es meinem Bruder gerade nochmal, meinen iPod vor dem Apple-Reparaturservice zu bewahren.

    Step 6: Ich bekomme eine Info-Mail, dass das Geld auf meinem Click-and-Buy-Konto eingetroffen sei. Das will ich natürlich umgehend im iTunes Music Store auf den Kopf hauen. Nur lässt sich der jetzt leider nicht mehr öffnen. Überhaupt benimmt sich mein Computer alarmierend bockig, der Virenscanner bombardiert mich mit Meldungen, Firefox stellt pausenlos Probleme fest. Wahrscheinlich habe ich ungewollt den Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert, der jetzt langsam den Countdown bis zur Formatierung der Festplatte runterzählt. Ich rufe wieder meinen Bruder zu Hilfe, der mich sofort verdächtigt, auf dubiosen Seiten dem Glücksspiel und sonstigen Freuden zu frönen.

    Step 7: Zwischen meinem iPod und mir herrscht vorerst Waffenstillstand. Vollkommen harmonisch wird unsere Beziehung wohl auch in Zukunft nicht verlaufen. Das ahnen die Pendler morgens in der Bahn natürlich nicht, die meinem iPod, den ich ostentativ zur Schau trage, neidvolle Blicke zuwerfen. Müssen sie auch nicht. Alles eine Frage des Lifestyles. Wer wäscht seine schmutzige Wäsche schon in der Öffentlichkeit.

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