iPod nano in 7 Schritten

Eigentlich bin ich keiner von diesen E-Junkies, die tagelang auf dem Parkplatz des Elektronik-Fachgeschäfts campen, um den weltweit ersten Turbotoaster mit GPS-Peilsender zu erstehen. Die mitleidigen Seitenblicke der Pendler auf meinen tragbaren CD-Spieler morgens in der Bahn nagten aber doch an meinem Statusbewusstsein. Zum Geburtstag habe ich mir deshalb einen iPod gewünscht. Positiver Nebeneffekt: Man fühlt sich damit dermaßen up to date, dass einen selbst der Anblick des Flammenmeers auf der Geburtstagstorte nicht erschüttern kann. Für alle iPod-Neulinge: Hier ein Erfahrungsbericht in sieben Schritten.

Step 1: Ich suche die Bedieungsanleitung in dem schmucken Plastikkästchen, in dem der iPod geliefert wird, und finde ein Beipackzettelchen im nano-Format. Darauf stehen zwei Internet-Adressen: Eine für den iTunes-Download und die andere für das User Manual. Der Download und die Installation von iTunes lassen mir massig Zeit, mich mit dem User Manual vertraut zu machen.

Step 2: Das User Manual gibt’s nur auf Englisch. Das merke ich, nachdem ich deutsch als Benutzersprache für iTunes definiert habe. Die Findigkeit des Übersetzers in allen Ehren: Es erweist sich als schlichtweg unmöglich, die deutschen Entsprechungen für die englischen Befehle zu finden.

Step 3: Damit ich künftig im iTunes Music Store shoppen kann, überwinde ich mein Misstrauen gegenüber bargeldlosem Zahlungsverkehr im Internet (mit der Lemming-Logik: „Wenn so viele Menschen auf der Welt den Service nutzen, dann muss er ja sicher sein.“) und nehme das Angebot an, ein Click-and-Buy-Konto zu eröffnen. Das funktioniert multimedial. Nach den üblichen Sicherheitsfragen nach dem Mädchennamen meiner Mutter, der Farbe meiner Schultüte und meiner Lieblingseissorte bekomme ich per SMS eine PIN geschickt und einen Cent aufs Girokonto überwiesen mit einer zweiten PIN im Verwendungszweck (Idee für meine imaginäre Liste „Wie ich zu Geld komme“: 100.000.000 Click-and-Buy-Konten eröffnen).

Step 4: Ich beschließe, meinen iPod manuell zu verwalten. Dafür muss ich nur ein Häkchen in das dafür vorgesehene Feld machen. Theoretisch. Rein praktisch teilt mir iTunes jetzt mit, das ich erst die neue Version runterladen müsse. Ich wundere mich zwar etwas, dass die iTunes-Macher ihr Programm im Minutentakt überarbeiten, folge aber mangels Alternativen treudoof den Anweisungen. Resultat: Nichts funktioniert mehr, mein iPod gibt keinen Mucks mehr von sich. Ich überlege kurz, ob ich ihn aufbrechen soll um das Magnetband aus der Spule zu befreien, beschließe dann aber, besser erstmal meinen Bruder zu fragen, was er von meiner Troubleshooting-Maßnahme hält.

Step 5: Er hält sie für ineffizient und mich für geistig umnachtet. Da geht er konform mit anderen iPod-Besitzern meines sozialen Umfeldes, die mir allesamt versichern, es gehöre seltenes Talent dazu, die Idiotensicherungen von iTunes zu druchbrechen. Zum Glück gelingt es meinem Bruder gerade nochmal, meinen iPod vor dem Apple-Reparaturservice zu bewahren.

Step 6: Ich bekomme eine Info-Mail, dass das Geld auf meinem Click-and-Buy-Konto eingetroffen sei. Das will ich natürlich umgehend im iTunes Music Store auf den Kopf hauen. Nur lässt sich der jetzt leider nicht mehr öffnen. Überhaupt benimmt sich mein Computer alarmierend bockig, der Virenscanner bombardiert mich mit Meldungen, Firefox stellt pausenlos Probleme fest. Wahrscheinlich habe ich ungewollt den Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert, der jetzt langsam den Countdown bis zur Formatierung der Festplatte runterzählt. Ich rufe wieder meinen Bruder zu Hilfe, der mich sofort verdächtigt, auf dubiosen Seiten dem Glücksspiel und sonstigen Freuden zu frönen.

Step 7: Zwischen meinem iPod und mir herrscht vorerst Waffenstillstand. Vollkommen harmonisch wird unsere Beziehung wohl auch in Zukunft nicht verlaufen. Das ahnen die Pendler morgens in der Bahn natürlich nicht, die meinem iPod, den ich ostentativ zur Schau trage, neidvolle Blicke zuwerfen. Müssen sie auch nicht. Alles eine Frage des Lifestyles. Wer wäscht seine schmutzige Wäsche schon in der Öffentlichkeit.

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1 Response so far »

  1. 1

    bobmarlex said,

    yep, that’s the way it goes…
    wer hat eigentlich behauptet, MS sei der grösste Abzocker der Branche (ich glaube, Apple wars..)


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