Tipps von der Backfee (nicht jugendfrei)

Sie haben Ihre Haustür einladend mit Tannenzweigen geschmückt. Die Lichterkette um den Schornstein gewickelt. Den Riesenplüschnikolaus an den Balkon gehängt. Kommoden und Beistelltische mit festlich bestickten Klöppelspitzendeckchen ausgelegt. Unmengen von Filz und Perlgarn zu 2×24 Adventskalendersäckchen für Marvin und Finn verarbeitet und mit Vollkornschnitten und Lernspielen bestückt. Die Bratapfel- und Weihnachtsgansfüllung vorbereitet und in (unterschiedliche, vorsorglich beschriftete) Tupperdosen gegeben und eingefroren. Sie haben mit den anderen Müttern vom Elternstammtisch Plätzchenrezepte ausgetauscht (wobei man sagen muss, also manche, nein wirklich, die armen Kinder!), unermüdlich Teigkugeln und -hörnchen geformt, glasiert, in Kokos gewälzt, mit Marmelade gefüllt. Abends, nachdem Sie Ihrer Familie ein mineralstoff- und vitaminreiches Low-Fat-Festmahl kredenzt haben (Ihr Mann macht dafür den Abwasch), und nachdem sie Marvin und Finn ins Bett geschickt mit kindgerechten Erklärungen von der Notwendigkeit, früh schlafen zu gehen, wenn man früh aufstehen muss, überzeugt haben, verbringen Sie ihre Freizeit (von 22:40 bis 22:50) damit, als „Powermom76“ oder „Küchenhexe4u“ in Rezepttauschforen Ihren Geschlechtsgenossinnen Sätze wie „Also mein Mann liebt diese Plätzchen. In die könnte er sich reinsetzen. Ich mache immer gleich 2 Kilo davon“ vor den Latz zu ballern.

Liebe Leserinnen. Altruismus ist die Tugend der Erfolglosen. Ist Josef Ackermann etwa altruistisch? Flavio Briatore? Ich? Sehen Sie. Denken Sie immer zuerst an sich. Wenn Sie Angst haben, Ihr Mann lässt sich scheiden und zahlt Ihnen (seit 8 Jahren im Mutterschutz, beruflicher Wiedereinstieg aussichtslos) die Alimente nicht, wenn Sie sich weigern zu backen, dann backen Sie ihm Plätzchen, von denen Sie auch etwas haben. Zum Beispiel:

Blogmaries Spritzgebäcktraum

Zutaten:

6 große Eier
250 g Nashornmehl
150 g holländische Margarine auf der Basis marokkanischen Pflanzenextrakts (nicht im Handel erhältlich)
150 g kubanisches Zuckerrohr
je 2 EL getrocknete Granatapfelkerne, südfranzösische Trüffelpaste und Chilipulver
1 Pfund Litschis
1 Tasse Yin&Yang-Tee

(die Mengen können je nach Bedarf und Geschmack variiert werden)

Die Eier trennen (Fachjargon, heißt: das Eigelb vom Eiweiß trennen; der Umgang mit Eiern erfordert Fingerspitzengefühl und etwas Übung). Das Eiweiß steif schlagen. Das Zuckerrohr in der Küchenmaschine schreddern, dann bei schwacher Hitze den Saft auslassen. Die Hälfte des Safts gut mit dem Eischnee mischen, bis die Masse zähflüssig vom Löffel abtropft. Nashornmehl, Margarine, Granatapfelkerne, Trüffelpaste und Chilipulver unterheben. Litschis schälen, mit den Zähnen entkernen. Den Teig in einen Plastikbeutel füllen, unten ein Loch reinschneiden und walnussgroße Kleckse auf das Backblech spritzen. Jeweils eine Litschi in die Mitte drücken. Die andere Hälfte des Zuckerrohrsafts mit dem Yin&Yang-Tee verrühren und die Plätzchen damit überziehen. Die Plätzchen im Ofen backen, bis der Teig fest wird (2 Minuten reichen nicht).

Heimlich die Schwiegereltern ausladen, Marvin und Finn bei ihnen einladen. Beim Schlachter die Vorbestellung für die Weihnachtsgans canceln. Bratapfel- und Gansfüllung im Gefrierschrank lassen. Die Plätzchen an Heiligabend servieren. Frohe Festtage!

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