Archive for Februar, 2008

Asymmetrische Primkörper oder warum hier erstmal Schluss ist mit lustig

Die lieben Kommilitonen lernen seit gut einem Jahr diszipliniert, gewissenhaft und in verträglichen kleinen Dosen, Blogmarie merkt erst zwei Wochen vorher, dass sie längst rückwärtig im Grundeis steckt. Sie hat das letzte halbe Jahr damit zugebracht, Inkohärentes in den Äther zu quäken. Nach Gutsherrenart hat sie mal hier mal da gepöbelt, um dann zeternd weiter zu rauschen. Nicht nur interaktiv, sondern auch ganz klassisch, im Café zusammen mit den Schnatterlieschen ihres nicht-virtuellen sozialen Netzes. Den Rest der Zeit hat sie geschlafen. Sich selbst hat sie nicht auf die Prüfungen vorbereitet, wohl aber ihre Umwelt, z.B. ihren Chef, dem sie etliche Tage Lern-Sonderurlaub aus den Lippen gereiert hat.

Konsequenz? Abstinenz. In Blog- und allen sonstigen Belangen. Für zwei Wochen. Statt dessen gefühlte 48 Stunden am Tag im Schweinsgalopp durch die Mathematik, von Automorphismen bis zu Zellkomplexen und zurück, Differentialgleichungen rauf und Poissonverteilungen runter. Mit exponentiell wachsendem Lernfortschritt versteht sich. In der Klausur haut sie dann sowas von rein, es sei denn, sie versteht die Aufgabenstellungen nicht. Ein leeres Blatt gibt sie dann aber trotzdem nicht ab, denn sinnfreie Kommentare sind uns allen ja lieber als gar keine Reaktion, deswegen hat sie sich für den Fall der Fälle vorgenommen, zu jeder Frage ein hübsches kleines Antwortsätzchen zu verfassen. „Werter Herr Prof. Dr. Klöbner, selbstverständlich ist jeder Primkörper asymmetrisch, alle Körper sind das, schauen Sie nur mal in den Spiegel. Prim ist generell ein unattraktiver Zug, da bleibt beim Dividieren immer dieser unschöne Rest, ich habe nie verstanden, wie man den wegkriegt. Wie dem auch sei, das kommt mir nicht in die Wanne, ehrehrbietig, Müller-Lüdenscheid.“

Und danach? Je nachdem. Versicherungsprämien berechnen oder Sanitäranlagen pflegen. In ein paar Wochen weiß Blogmarie mehr und teilt es Ihnen mit. Bald. Hier. Es bleibt also spannend.

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Gestern Abi, heute wichtig

Neulich im Postfach: „Hallo Leute, wir haben uns ja seit dem Abi nicht mehr gesehen, da dachte ich, ich organisier mal ein Treffen!“

Ein Gestern-Abi-Heute-Wichtig-Event für Prahlhänse und Lebenslaufhuren gefällig? Mal wieder auf einer Profilierungsplattform testen, wie ausgeprägt die eigenen Imagecontrol-Fähigkeiten sind? Ich gehe von Zeit zu Zeit gerne zu Treffen dieser Art, nicht so sehr um mich selbst in Szene zu setzen, sondern um die anderen bei ihren Verrenkungen zu beobachten und mich am kalten Buffet zu laben. Das liefert immer genug Stoff für ein 5-Stunden-Telefonat mit der besten Freundin.

Zu den Spielregeln solcher Treffen gehören gewisse Verschleierungstaktiken der Sensationsgier aber einfach dazu, finde ich. Man lädt um der Wiedersehensfreude willlen, aus Nostalgie, um gemeinsam in Erinnerungen an vergangene Schultage zu schwelgen. Dass es einem vordergründig darum geht, den Status Quo des eigenen Lebens möglichst gewinnbringend mit dem der ehemaligen Mitschüler zu vergleichen (um es mal unter Vermeidung der sonst üblichen Metapher zu formulieren), das schreibt man zumindest nicht gleich in die Einladung. Wenn allerdings direkt auf den Einleitungssatz ein Lebenslauf in Kurzform folgt – und zwar so formuliert, als seien die Adressaten nicht die Freunde von damals, sondern die Personalabteilung der Firma, die diese ungemein attraktive Stelle zu besetzen hat – dann denke auch ich: Danke, ich gehe an dem Abend doch lieber ins Kino.

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Was schenke ich bloß…

Männer, ihr habt recht! Also manchmal zumindest, trotz der pränatalen Testosteronschwappe und ihren fatalen Folgen für euer Hirn. Aber in einem Punkt stimme selbst ich als Radikalfeministin euch zu: Frauen sind verdammt schwer zu beschenken! Das liegt an diesem ungeschriebenen Gesetz mit den unzähligen Paragraphen, die die Ausschlusskriterien für Geschenke festlegen, die nicht in Frage kommen. Was konkret in Frage kommt, steht da nicht. Wäre ja auch zu simpel für unsere hochkomplexen Denkapparate, mit denen eure kümmerliche Synapsenzahl nunmal leider nicht mithalten kann.

Anscheinend habe ich auch ein paar Nanogramm Testosteron im Blut, denn die Gesetzesexegese bereitet mir einige Schwierigkeiten. Paragraph Eins lautet: Geschenke müssen zweckfrei sein. Keine Dübelsortimente, keine Kondompackungen, keine Bierzeltgarnituren. Sondern Feminines mit einem Hauch von Luxus. Damit meine ich jetzt nicht die Douglas-Duschgel-Bodylotion- Geschenkgebinde, denn hier greift Paragraph Zwei: Geschenke müssen einfallsreich sein, in Verbindung mit Paragraph Drei: Sie müssen die Person als Ganze im Blick haben. Gerade Letzteres birgt Fallstricke, weil Frauen Geschenke immer als Botschaft an sie interpretieren. Schenkt man Martini, lautet sie: „Na, du kippst dir doch gern mal einen hinter die Binde…“. Bei Pralinen: „Auf deine Figur achtest du ja eh nicht“. Beim Kochbuch Leicht&Lecker: „Nimm das, gegen deinen Hüftspeck!“

Ich merke mir ja bewusst Geschenke, die Frauen anderen Frauen machen, aber die Lernprozesse wollen einfach nicht so richtig in Gang kommen. Da kommt unter dem selbstkreierten Geschenkpapier mit Klebebildchen und Schleifchen eine afrikanische Savanne zum Vorschein, in Form einer Sperrholzplatte mit grellbunten Fimotierchen und Origamipalmen, die Schadenfreude ist groß, man hat also nicht als Einzige mit der Wahl des Geschenks daneben gegriffen, aber dann macht die Reaktion der Beschenkten die Illusion zunichte: „Oh wie süüüß, wo hast du daaas denn gefunden, genau sowas such ich seit Monaten für die Wohnzimmerkommode!!“

Ich bin ja kein Spielverderber. Habe den Canetti im Buchladen gelassen. Den ungemein praktischen Multifunktionstaschenrechner doch nicht gekauft. Auch nicht den USB-Stick bei Conrad. Sondern eine Porzallankugel von der Größe einer Grapefruit mit preussischblauen Ornamenten, die gut zum Zwiebelmuster passen. Vermutlich ist sie als Tischdeko gedacht, das schließe ich aus der Tatsache, dass ich sie in der Haushaltswarenabteilung erstanden habe. Die ist a) auf das Service des Geburtstagskindes abgestimmt, erfüllt insofern Paragraph Drei und zeugt b) von großem Einfallsreichtum. In erster Linie ist sie natürlich zweckfrei, zweckfreier geht’s kaum mehr.

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Übersetzung und ihre Tücken

Heute wieder: Spaß mit Google. Da sucht man ganz arglos nach Erläuterungen zur Polya-Urne, hat die Spracheinstellungen nicht angepasst, und findet so durch Zufall heraus, dass das Ding auf spanisch tatsächlich „urna de Pólya“ heißt. Hätte man die Homophonie mit „polla“ nicht wenigstens durch einen Akzent auf der zweiten Silbe entschärfen können?

Nun kann es ja auch sein, dass mein nicht-muttersprachliches und daher unvollkommenes mentales Assoziationsnetz mir hier ein Schnippchen schlägt. Muss ich mir Sorgen machen, weil mir sofort die vulgäre Bedeutung in den Sinn kommt? Sexualneurose, krankhafte libidinöse Besetzung meines Wortschatzes als Kompensation für irgendwas? Denkbar, ein Blick in den Salamanca fördert jedenfalls noch fünf weitere Wortbedeutungen zu Tage.

Wobei es das auch schon mal gab. Als nämlich Mitsubishi sein neuestes Modell „Pajero“ nannte. Bei der Namensgebung hatte man von Anfang an den südamerikanischen Markt im Blick, für den Produktnamen stand (Wiki zufolge) eine Katzenart der Pampa Pate. Nun ist „pajero“ ein Teekesselchen und geläufig vor allem als Schimpfwort für Männer, die… nun ja… nur sich selbst brauchen, um Spaß zu haben. Was man allerdings erst nach der Markteinführung merkte. Das Hallo war in der spanischsprachigen Welt entsprechend groß, und man taufte den Wagen für die betroffenen Länder eilig in „Montero“ um. Trotzdem las man in der Folge pikierte Ermahnungen, man solle halt nicht immer gleich so abwegig assoziieren, schließlich bedeute „pajero“ in erster Linie „Strohhändler“. Soviel zur Polysemie mancher Wörter.

Welche Reaktionen die „urna de Pólya“ so auf den Plan ruft, habe ich mich dann natürlich auch gefragt. In einem Vorlesungssaal mit etwa 20-jährigen und zumeist männlichen Mathematikstudenten im dritten Semester? Wahrscheinlich ähnliche wie die unsrige in der Französisch-Übersetzungs-Übung, als eine Kommilitonin den Satz „Auf der Bühne wippte er lässig im Takt der Musik, während das Publikum tobte“ übersetzte mit „… il se branle nonchalamment… „. Auf der Bühne. Vor begeistertem Publikum. Der Ausdruck blieb hängen, was man vom restlichen Stundenverlauf nicht behaupten konnte.

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Maulwurfvernichtung: Klappe, die zweite

Ja, Sappralot, was weiß denn ich, wie Sie Ihr Maulwurf-Problem in den Griff bekommen! Wenn’s alles nicht hilft, saufen Sie ihn sich halt schön!

Wäre ich Gärtner und dies meine Firmenhomepage, würde ich meinem Suchmaschinenoptimierdienstleister auf der Stelle Haus und Hof vermachen. Bin ich aber nicht, und für Suchmaschinen ist mein Blog offensichtlich eher suboptimal aufbereitet.

Nun will ich Sie aber auch nicht enttäuschen. Wo Sie doch schon mal hier sind. Deshalb habe ich meinerseits Frau Prof. Dr. Dr. rer. nat. Gugl befragt und tatsächlich eine Methode gefunden, die sogar erst kürzlich prämiert wurde. Und die geht so: Sie legen Ihr Grundstück mit Metallstangen aus und verbinden selbige mit einer Starkstromleitung. Das Kohlehäufchen, das anschließend übrig bleibt, war früher der Maulwurf, der Ihnen so viele schlaflose Nächte bereitet hat.

Nur eines sollten Sie unbedingt beachten: Verlassen Sie das Grundstück, bevor Sie das Erdreich grillen. So steckt der Teufel eben manchmal im Detail: denn das hatte der Erfinder der Methode – er ruhe in Frieden – leider nicht bedacht.

Der postume Ruhm sei ihm gegönnt. Wir gratulieren ganz herzlich zum Darwin Award!

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Kurz Zeit für eine Umfrage?

Ich nehme gern an Umfragen teil. Schneuze auf Aufforderung lautstark und mit Hingabe in 10 Papiertaschentücher, die ich dann mit Attributen wie „nasenhautschonend“ und „schneuzfest“ beschreibe. Teile nicht nur mit, welcher Werbespot für Damenhygieneprodukte mir besser gefällt, sondern ergehe mich in weitschweifigen Exposés über die Frage, was den Wohlfühlfaktor bei Tampons ausmacht.

So habe ich wohl irgendwann bei gedankenverlorenem Internetsurfen instinktiv auf das Reizwort „Umfrage“ reagiert und bereitwillig meine E-mail-Adresse hinterlassen, bei einem Unternehmen aus der Branche „Hochschulentwicklung“. Was ich bis gestern gar nicht wusste, ich vermutete anfänglich Schavan & Konsorten hinter den als Umfragen getarnten Bachelor-Master-Werbeaktionen, die regelmäßig in meinem Postfach landeten.

Erst gestern habe ich mir die Mühe gemacht, Informationen über den Urheber einzuholen, und zwar nach einer Meinungsumfrage, deren Fragen offensichtlich passgenau auf die anschließende statistische Manipulation der Daten abgestimmt waren. Offiziell ging es um die Frage, ob und inwiefern sich die Qualität der Lehre seit der Umstellung auf Bachelor und Master verbessert hat, inoffiziell um die Tatsache, dass sie sich seitdem ganz entscheidend verbessert hat.

Eine Frage lautete sinngemäß: „Wie beurteilen Sie folgende Dinge in Bezug auf Ihre Berufsaussichten nach dem Studium?“. Die Items waren auf einer Skala von „eher nachteilig“ bis „eher von Vorteil“ zu bewerten: Praktika absolvieren, Fremdsprachen lernen, ein Auslandssemester, Anwendungsbezug der Lehrveranstaltungen etc.

Auf rhetorische Fragen antworte ich gerne mal erwartungskonträr und setzte meine Kreuzchen also durchgehend auf „eher nachteilig“. Im Folgenden erschloss sich mir dann, dass eben diese Punkte wohl Teile des neuen Curriculums sind, deren Umsetzung nun beurteilt werden sollte. Mit „eher schlechter geworden“ konnte man hier freilich nicht mehr antworten: Die Skala reichte von sinngemäß von „gleich geblieben“ bis „erheblich verbessert“. Besonders amüsant: das Item „mehr Lehrveranstaltungen auf englisch?“. Da musste ich an meinen Prof aus Niederbayern denken, der guten Willen zeigte, sein Schulenglisch entstaubte und frohgemut seine Vorlesungen in dialektal eingefärbtem Denglisch vortrug.

Ganz falsch war meine Vermutung, Schavan habe da ihre Finger im Spiel, nicht: Die Hochschulinformationssystem GmbH wird bei ihren Umfragen vom Bildungsministerium unterstützt. Ein vorbildliches Projekt! Und da soll noch einer sagen, die Politik von heute sei bloß blinder Aktionismus! Ein Lob an dieser Stelle, toll, dass sie die Studenten mal so ganz persönlich per Email befragen, die Idee und die Umsetzung sind wirklich gut bzw. gerade gut bzw.

gerade gut genug für meinen Spamfilter!

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Es war einmal… Fasching ’88

Es könnte auch ’87 gewesen sein, oder ’89. Ob ich Marienkäfer, Pilz oder Squaw war, hat mein Gedächtnis auch inzwischen getilgt. An meine Kassette mit den Fassenachtsschlagern kann ich mich aber genau erinnern, was müssen meine Eltern damals gelitten haben! Ich nahm sie natürlich auf jede Faschingsfete zu Freunden und in die Schule mit und trällerte mit Inbrunst im Chor mit Gottlieb Wendehals:

… denn jetzt geht sie los, unsre Pol-lo-näää-se
von Blankenese bis hinter Wuppertaaal
Wir ziehen los, mit ganz großen Schritten
und Erwin fasst der Heidi
von hinten an die … Schulter!

Dass der letzte Vers sich gar nicht reimte, bereitete mir allerdings Kopfzerbrechen. Dabei gab es doch ein Wort, mit dem er sich reimen würde: Rücken! Ich fragte meiner Mutter Löcher in den Bauch, warum die denn nicht singen „von hinten an den Rücken“. Die Erklärungen überzeugten mich nicht: dass sie es auch nicht wisse, nahm ich ihr nicht ab, und dass das doch lustig sei, einfach mal ein anderes Wort zu singen, entsprach nicht meiner Vorstellung von Humor.

Ich ließ mich nicht beirren: Die mussten sich einfach geirrt haben! Und so sang ich lauthals krakelend bei jeder Polonäse durchs Klassenzimmer oder das Kinderzimmer der Freundin:

und Erwin fasst der Heidi
von hinten an den Rüükk-kenn!

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