Archive for Wissenschaft im 21. Jahrhundert

Oh Dreieck, welch Wohlklang!

Ich bin zu 75 % musikalisch-visuell intelligent, sagt der Test. Das ist grad mal ganz knapp überm Durchschnitt. Weshalb ich wohl im Schulorchester auch immer nur fürs Hintergrundgeschwummer der dritten Geige zuständig war.

Kreative Köpfe schnütten laut Testkreatör übrigens besonders exzeptionell ab, wegen der synästhetischen Fähigkeiten. Pah!

(Linkidee geklaut von Zuckerziege, Eintrag vom 26. Mai)

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Maulwurfvernichtung: Klappe, die zweite

Ja, Sappralot, was weiß denn ich, wie Sie Ihr Maulwurf-Problem in den Griff bekommen! Wenn’s alles nicht hilft, saufen Sie ihn sich halt schön!

Wäre ich Gärtner und dies meine Firmenhomepage, würde ich meinem Suchmaschinenoptimierdienstleister auf der Stelle Haus und Hof vermachen. Bin ich aber nicht, und für Suchmaschinen ist mein Blog offensichtlich eher suboptimal aufbereitet.

Nun will ich Sie aber auch nicht enttäuschen. Wo Sie doch schon mal hier sind. Deshalb habe ich meinerseits Frau Prof. Dr. Dr. rer. nat. Gugl befragt und tatsächlich eine Methode gefunden, die sogar erst kürzlich prämiert wurde. Und die geht so: Sie legen Ihr Grundstück mit Metallstangen aus und verbinden selbige mit einer Starkstromleitung. Das Kohlehäufchen, das anschließend übrig bleibt, war früher der Maulwurf, der Ihnen so viele schlaflose Nächte bereitet hat.

Nur eines sollten Sie unbedingt beachten: Verlassen Sie das Grundstück, bevor Sie das Erdreich grillen. So steckt der Teufel eben manchmal im Detail: denn das hatte der Erfinder der Methode – er ruhe in Frieden – leider nicht bedacht.

Der postume Ruhm sei ihm gegönnt. Wir gratulieren ganz herzlich zum Darwin Award!

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Kurz Zeit für eine Umfrage?

Ich nehme gern an Umfragen teil. Schneuze auf Aufforderung lautstark und mit Hingabe in 10 Papiertaschentücher, die ich dann mit Attributen wie „nasenhautschonend“ und „schneuzfest“ beschreibe. Teile nicht nur mit, welcher Werbespot für Damenhygieneprodukte mir besser gefällt, sondern ergehe mich in weitschweifigen Exposés über die Frage, was den Wohlfühlfaktor bei Tampons ausmacht.

So habe ich wohl irgendwann bei gedankenverlorenem Internetsurfen instinktiv auf das Reizwort „Umfrage“ reagiert und bereitwillig meine E-mail-Adresse hinterlassen, bei einem Unternehmen aus der Branche „Hochschulentwicklung“. Was ich bis gestern gar nicht wusste, ich vermutete anfänglich Schavan & Konsorten hinter den als Umfragen getarnten Bachelor-Master-Werbeaktionen, die regelmäßig in meinem Postfach landeten.

Erst gestern habe ich mir die Mühe gemacht, Informationen über den Urheber einzuholen, und zwar nach einer Meinungsumfrage, deren Fragen offensichtlich passgenau auf die anschließende statistische Manipulation der Daten abgestimmt waren. Offiziell ging es um die Frage, ob und inwiefern sich die Qualität der Lehre seit der Umstellung auf Bachelor und Master verbessert hat, inoffiziell um die Tatsache, dass sie sich seitdem ganz entscheidend verbessert hat.

Eine Frage lautete sinngemäß: „Wie beurteilen Sie folgende Dinge in Bezug auf Ihre Berufsaussichten nach dem Studium?“. Die Items waren auf einer Skala von „eher nachteilig“ bis „eher von Vorteil“ zu bewerten: Praktika absolvieren, Fremdsprachen lernen, ein Auslandssemester, Anwendungsbezug der Lehrveranstaltungen etc.

Auf rhetorische Fragen antworte ich gerne mal erwartungskonträr und setzte meine Kreuzchen also durchgehend auf „eher nachteilig“. Im Folgenden erschloss sich mir dann, dass eben diese Punkte wohl Teile des neuen Curriculums sind, deren Umsetzung nun beurteilt werden sollte. Mit „eher schlechter geworden“ konnte man hier freilich nicht mehr antworten: Die Skala reichte von sinngemäß von „gleich geblieben“ bis „erheblich verbessert“. Besonders amüsant: das Item „mehr Lehrveranstaltungen auf englisch?“. Da musste ich an meinen Prof aus Niederbayern denken, der guten Willen zeigte, sein Schulenglisch entstaubte und frohgemut seine Vorlesungen in dialektal eingefärbtem Denglisch vortrug.

Ganz falsch war meine Vermutung, Schavan habe da ihre Finger im Spiel, nicht: Die Hochschulinformationssystem GmbH wird bei ihren Umfragen vom Bildungsministerium unterstützt. Ein vorbildliches Projekt! Und da soll noch einer sagen, die Politik von heute sei bloß blinder Aktionismus! Ein Lob an dieser Stelle, toll, dass sie die Studenten mal so ganz persönlich per Email befragen, die Idee und die Umsetzung sind wirklich gut bzw. gerade gut bzw.

gerade gut genug für meinen Spamfilter!

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Wissenschaft erklärt – heute: Topologie

Die Topologie ist ein Teilgebiet der Biologie und beschäftigt sich mit Maulwürfen. Der Terminus ist ein Lehnwort aus dem Spanischen („topología“) und setzt sich zusammen aus „topo“ – Maulwurf – und „logía“ – Lehre. Die Topologie ist eine verhältnismäßig junge Disziplin und hat ihren Ursprung in der Maulwurfplage, die Spanien 1974 heimsuchte und die fast sämtliche Stierkampfarenen des Landes in unwirtliche Erdhügelfelder verwandelte sowie gut 85% der Ernte vernichtete. Die Kollateralschäden für die Panis-et-circenses-Politik Francos waren beträchlich, weshalb der Diktator alle namhaften Biologen des Landes mit der Erforschung der pelzigen Staatsfeinde und der Entwicklung von Strategien für ihre systematische Vernichtung beauftragte. Trotz der im großen Stil veruntreuten Steuergelder reichten die ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel jedoch nicht aus, um seiner Exzellenzcluster-Initiative zu raschem Erfolg zu verhelfen, was schließlich – wie man weiß – das Ende seiner Diktatur einleitete.

Die Topologie überdauerte die Franco-Diktatur und war bald auch außerhalb der Iberischen Halbinsel anerkannte Teildiszilin der Biologie. Die theoretischen Resultate wurden in den Folgejahren in Australien praktisch erprobt, erwiesen sich jedoch noch als unzulänglich: Der Einsatz monoseptischer D17-Aminosäuren setzte nicht nur wie intendiert die Zeugungsfähigkeit der Maulwürfe herab sondern auch die sämtlicher einheimischer Beuteltierarten, während sich die aus Südamerika eingeführten Aga-Kröten als restistent erwiesen, wodurch das ökologische Gleichgewicht empfindlich und nachhaltig gestört wurde.

Infolge des Paradigmenwechsels der 90er Jahre betrachtet man den Maulwurf heute nicht mehr als Schädling, sondern erforscht seinen Nutzen für den zivilisatorischen Fortschritt. So fand man beispielsweise heraus, dass die von ihm angelegten unterirdischen Tunnelsysteme ausbaufähig sind. In vielen europäischen und nortamerikanischen Metropolen erweiterte man sie zu Verkehrsnetzen der Metro, und auch dem Entwurf des Eurotunnels lagen die unterirdischen Wanderpfade dieser Tiefbaupioniere zugrunde.

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Die Birth-Order-Theorie

Eine kürzlich veröffentlichte norwegische Studie stützt die Birth-Order-Theorie, nach der der/die Erstgeborene intelligenter, verantwortungsbewusster und erfolgreicher im Leben ist als die jüngeren Geschwister. Man wies nach, dass der IQ der/des Ältesten den des Zweitgeborenen um 2,3 Punkte übertrifft, der wiederum einen höheren IQ hat als der Drittgeborene. Die Birth-Order-Theorie, die auf einen Darwin-Schüler zurückgeht und von Freud-Schülern weiterentwickelt wurde (!), trifft auch Aussagen über andere Persönlichkeitskonstanten. So ist der Erstgeborene am bodenständigsten, er tritt in die Fußstapfen der Eltern, hat hohe Erwartungen an sich selbst und verkraftet Misserfolge nur schwer. Der Jüngste ist der Rebell und Lebenskünstler der Familie. Sandwich-Kinder haben die meisten sozialen Kontakte, aber auch Probleme bei der Identitätsfindung und der Lebensgestaltung und neigen zu Melancholie.


Beim Buhlen um die Gunst der Eltern, so die Psychologen, entwickeln Kinder unterschiedliche Strategien, durch die sie sich von ihren Geschwistern abgrenzen. Bringt der Älteste immer gute Noten nach Hause, so versucht der Zweite selten, ihn zu übertreffen: Er sucht sich andere Bereiche, in denen er glänzen kann – etwa im Sport oder durch seinen Sinn für Humor.


Alles alter Wein in neuen Schläuchen? Wald-und-Wiesen-Psychologie über Leitwölfe und Loser? Die Forscher betonen, die Theorie sei selbstverständlich nicht deterministisch. Ein Hinweis, der ja gerne überhört wird. Das Zielpublikum von „Typisch Mann, typisch Frau“ wäre mit der Komplexität der Gender Studies auch heillos überfordert. Damit es sich nicht doch lieber die neue Talentshow bei der Konkurrenz anschaut, reduziert man das Ganze auf überschaubare Kausalzusammenhänge und erklärt Otto Normalschlau, Männer und Frauen seien so wie sie sind wegen der Gene und steinzeitlicher Höhlengewohnheiten. Meiner imaginären Liste „Wie ich zu Geld komme“ füge ich also folgende Idee hinzu: Ich schreibe ein Buch, in dem ich die Geschwisterrollen mit den Notwendigkeiten der Mammutjagd, der Beschaffenheit der Hirnregionen und dem Alpha-, Beta- und Gamma-Gen begründe. Das veröffentliche ich kurz vor Weihnachten und stürme damit die Bestsellerlisten. Das TV-Format moderieren dann die Klitschkos, Stargäste sind die Kelly Family und die Jacob Sisters.

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