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Blogmarie in Dokumenten

Jeder hat mal klein angefangen. Blogmarie besonders klein, den Kommentaren in ihrem soeben beim Ausmisten aufgetauchten Aufsatzheft aus ihrer Grundschulzeit nach zu urteilen.

  • „Das ist Deine erste Geschichte, die du ganz allein geschrieben hast. Du hast sehr nett erzählt. (Die Rechtschreibung wurde nicht verbessert.)“
  • „Leider ist die Geschichte, obwohl du nett erzählt hast, nicht richtig, da Du das Tretauto nicht in den Mittelpunkt Deiner Geschichte gestellt hast.“
  • „Du hast eine Geschichte erzählt, der ein richtiger Höhepunkt fehlt. Du hast viele Dinge nur beschrieben, aber es passiert nichts. Deine Sätze sind zu kurz.“

Der Tenor des ersten Kommentars ist mir in diversen Kontexten im weiteren Verlauf meiner Bildungslaufbahn wieder begegnet, beispielsweise in der Form: „Hat an der Orchester-AG [sprechende Ellipse] teilgenommen.“; oder „Dass der brillante Hauptteil der Arbeit etwas überdimensioniert ausgefallen ist, darf man als Schönheitsfehler werten.“

Die beiden folgenden Beurteilungen zeigen deutlich, wie früh sich meine Vorliebe für Avantgarde-Literatur Bahn brach. „Wider die Regelpoetik“, dachte ich offenbar schon damals. Schrieb Geschichten mit falschen Themen, wie einst die modernes in der querelle, und plättete Peripetien zu nulllinienförmigem, semiaphasischem Wortbrei wie Huysmans. Und das in schönstem Blogger-Stakkato. Wenn das nicht visionär war?

Symbol für die Form, die Literatur zu haben hat, war in meinem Deutschunterricht die Maus: Vom Schnäuzchen angefangen steigt die Handlung bis zum Buckel und fällt dann ab bis zum Dénouement, vulgo Mauseschwanz. Resigniert beugte ich mich zuweilen der altbackenen Literaturkonzeption meiner Lehrerin, schrieb mausförmig, und erntete dann auch Lob. Und was für welches:

  • „Du hast sprachlich und inhaltlich sehr gut Geschichte geschrieben [sic!].“

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