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Kurz Zeit für eine Umfrage?

Ich nehme gern an Umfragen teil. Schneuze auf Aufforderung lautstark und mit Hingabe in 10 Papiertaschentücher, die ich dann mit Attributen wie „nasenhautschonend“ und „schneuzfest“ beschreibe. Teile nicht nur mit, welcher Werbespot für Damenhygieneprodukte mir besser gefällt, sondern ergehe mich in weitschweifigen Exposés über die Frage, was den Wohlfühlfaktor bei Tampons ausmacht.

So habe ich wohl irgendwann bei gedankenverlorenem Internetsurfen instinktiv auf das Reizwort „Umfrage“ reagiert und bereitwillig meine E-mail-Adresse hinterlassen, bei einem Unternehmen aus der Branche „Hochschulentwicklung“. Was ich bis gestern gar nicht wusste, ich vermutete anfänglich Schavan & Konsorten hinter den als Umfragen getarnten Bachelor-Master-Werbeaktionen, die regelmäßig in meinem Postfach landeten.

Erst gestern habe ich mir die Mühe gemacht, Informationen über den Urheber einzuholen, und zwar nach einer Meinungsumfrage, deren Fragen offensichtlich passgenau auf die anschließende statistische Manipulation der Daten abgestimmt waren. Offiziell ging es um die Frage, ob und inwiefern sich die Qualität der Lehre seit der Umstellung auf Bachelor und Master verbessert hat, inoffiziell um die Tatsache, dass sie sich seitdem ganz entscheidend verbessert hat.

Eine Frage lautete sinngemäß: „Wie beurteilen Sie folgende Dinge in Bezug auf Ihre Berufsaussichten nach dem Studium?“. Die Items waren auf einer Skala von „eher nachteilig“ bis „eher von Vorteil“ zu bewerten: Praktika absolvieren, Fremdsprachen lernen, ein Auslandssemester, Anwendungsbezug der Lehrveranstaltungen etc.

Auf rhetorische Fragen antworte ich gerne mal erwartungskonträr und setzte meine Kreuzchen also durchgehend auf „eher nachteilig“. Im Folgenden erschloss sich mir dann, dass eben diese Punkte wohl Teile des neuen Curriculums sind, deren Umsetzung nun beurteilt werden sollte. Mit „eher schlechter geworden“ konnte man hier freilich nicht mehr antworten: Die Skala reichte von sinngemäß von „gleich geblieben“ bis „erheblich verbessert“. Besonders amüsant: das Item „mehr Lehrveranstaltungen auf englisch?“. Da musste ich an meinen Prof aus Niederbayern denken, der guten Willen zeigte, sein Schulenglisch entstaubte und frohgemut seine Vorlesungen in dialektal eingefärbtem Denglisch vortrug.

Ganz falsch war meine Vermutung, Schavan habe da ihre Finger im Spiel, nicht: Die Hochschulinformationssystem GmbH wird bei ihren Umfragen vom Bildungsministerium unterstützt. Ein vorbildliches Projekt! Und da soll noch einer sagen, die Politik von heute sei bloß blinder Aktionismus! Ein Lob an dieser Stelle, toll, dass sie die Studenten mal so ganz persönlich per Email befragen, die Idee und die Umsetzung sind wirklich gut bzw. gerade gut bzw.

gerade gut genug für meinen Spamfilter!

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