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Was schenke ich bloß…

Männer, ihr habt recht! Also manchmal zumindest, trotz der pränatalen Testosteronschwappe und ihren fatalen Folgen für euer Hirn. Aber in einem Punkt stimme selbst ich als Radikalfeministin euch zu: Frauen sind verdammt schwer zu beschenken! Das liegt an diesem ungeschriebenen Gesetz mit den unzähligen Paragraphen, die die Ausschlusskriterien für Geschenke festlegen, die nicht in Frage kommen. Was konkret in Frage kommt, steht da nicht. Wäre ja auch zu simpel für unsere hochkomplexen Denkapparate, mit denen eure kümmerliche Synapsenzahl nunmal leider nicht mithalten kann.

Anscheinend habe ich auch ein paar Nanogramm Testosteron im Blut, denn die Gesetzesexegese bereitet mir einige Schwierigkeiten. Paragraph Eins lautet: Geschenke müssen zweckfrei sein. Keine Dübelsortimente, keine Kondompackungen, keine Bierzeltgarnituren. Sondern Feminines mit einem Hauch von Luxus. Damit meine ich jetzt nicht die Douglas-Duschgel-Bodylotion- Geschenkgebinde, denn hier greift Paragraph Zwei: Geschenke müssen einfallsreich sein, in Verbindung mit Paragraph Drei: Sie müssen die Person als Ganze im Blick haben. Gerade Letzteres birgt Fallstricke, weil Frauen Geschenke immer als Botschaft an sie interpretieren. Schenkt man Martini, lautet sie: „Na, du kippst dir doch gern mal einen hinter die Binde…“. Bei Pralinen: „Auf deine Figur achtest du ja eh nicht“. Beim Kochbuch Leicht&Lecker: „Nimm das, gegen deinen Hüftspeck!“

Ich merke mir ja bewusst Geschenke, die Frauen anderen Frauen machen, aber die Lernprozesse wollen einfach nicht so richtig in Gang kommen. Da kommt unter dem selbstkreierten Geschenkpapier mit Klebebildchen und Schleifchen eine afrikanische Savanne zum Vorschein, in Form einer Sperrholzplatte mit grellbunten Fimotierchen und Origamipalmen, die Schadenfreude ist groß, man hat also nicht als Einzige mit der Wahl des Geschenks daneben gegriffen, aber dann macht die Reaktion der Beschenkten die Illusion zunichte: „Oh wie süüüß, wo hast du daaas denn gefunden, genau sowas such ich seit Monaten für die Wohnzimmerkommode!!“

Ich bin ja kein Spielverderber. Habe den Canetti im Buchladen gelassen. Den ungemein praktischen Multifunktionstaschenrechner doch nicht gekauft. Auch nicht den USB-Stick bei Conrad. Sondern eine Porzallankugel von der Größe einer Grapefruit mit preussischblauen Ornamenten, die gut zum Zwiebelmuster passen. Vermutlich ist sie als Tischdeko gedacht, das schließe ich aus der Tatsache, dass ich sie in der Haushaltswarenabteilung erstanden habe. Die ist a) auf das Service des Geburtstagskindes abgestimmt, erfüllt insofern Paragraph Drei und zeugt b) von großem Einfallsreichtum. In erster Linie ist sie natürlich zweckfrei, zweckfreier geht’s kaum mehr.

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