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No seas mufa!

„No seas mufa!“, antwortet man in Argentinien jemandem, der schwarzmalerisch unheilvolle Geschehnisse in der Zukunft heraufbeschwört. Das kann schnöde Alltäglichkeiten betreffen: „Schon kurz vor Ladenschluss. Wahrscheinlich geraten wir jetzt noch in einen Stau und kommen gerade zwei Minuten zu spät an!“, „No seas mufa!“; oder auch nationale Großereignisse: „Und wenn Messi verletzt ist? Dann verlieren wir am Ende gegen Deutschland!“, „No seas mufa!“. Es ist eine landestypische Redewendung, eine Gesprächsfloskel, und doch ein bisschen mehr als nur das: Dahinter steht der Glaube an die prophetische Macht der Worte, die man durch eben diese Formel zu bannen versucht. Man braucht den Stau nur zu erwähnen, so glaubt man in Argentinien, prompt wird ein paar Kilometer weiter die linke Fahrbahn gesperrt und man hängt gleich hinter der nächsten Kurve dem Vordermann auf der Stoßstange. Man fachsimpelt nach Feierabend in irgendeiner Hinterhofspelunke in Buenos Aires über Fußball, und padauz, stolpert Messi am anderen Ende der Welt über seine Schnürsenkel, Kreuzband hinüber, WM ade.

Natürlich ist das tumber, längst überwundener Aberglaube, dem der gebildete Atheist nicht viel abgewinnen kann. Auf der anderen Seite muss man das Unglück ja auch nicht auf Teufel komm raus herausfordern. Zum Beispiel, indem man vor der Klausur mit der Kommilitonin folgendes Gespräch führt:

  • Also, in Diskreter bin ich fit. Hab alle Übungsaufgaben nochmal wiederholt. Also alle bis auf diese eine zu Pollards Rho-Verfahren, da hatte ich so meine Verständnisschwierigkeiten, aber gut, diese eine da..
  • Kodierungstheorie. Das ist das, was ich aus der Diskreten nicht so drauf hab. Wenn wenigstens eine Diophantische Gleichung drankommt, oder irgendeine Anwendung des Chinesischen Restsatzes… boah, ich wär so dankbar.
  • Ja und die Grundvorlesungen… mein Hirn ist da zu löchrig, ich hab sie zwar nochmal angeschaut, aber das ist jetzt auch schon wieder ein paar Wochen her.
  • Geht mir auch so. Also, die Standard-Dinger hat man ja eh drauf und so die groben Zusammenhänge, aber irgendso lange Sätze mit zig Voraussetzungen, die man danach auch nicht mehr so benutzt hat, weiß ich, Satz über implizite Funktionen oder so, ob ich die dann spontan so zusammen kriege…

Jetzt darf die liebe Leserschaft aus dem vorher Gesagten selbst erschließen, welche Aufgaben der Umschlag mit der Klausur zu Tage beförderte und welche leider nicht. Zum Glück hatten wir keine Zeit mehr, uns auch noch über Topologie und Differentialgleichungen auszutauschen, das hat meine Klausur letztlich – hoffentlich – gerettet!

(PS: Lieber Herr ramses, der Satz des Pythagoras kam leider auch nicht dran. Obwohl ich den mitsamt Beweis und Folgerungen ganz locker aus dem Ärmel geschüttelt hätte… da sehen Sie, was Sie angerichtet haben!)

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